Warum ist das Grünland für Schwarzkittel so attraktiv?

Man könnte fast meinen, dass etwas Magisches Wildschweine immer wieder aufs Neue ins Grünland zieht. Doch warum haben Grünlandflächen überhaupt eine so hohe Anziehungskraft auf Schwarzwild?

Zuerst einmal sind Grünlandflächen meist nicht das ganze Jahr über für Schwarzwild gleichermaßen interessant. Umgebrochene Flächen treten nämlich besonders häufig im Frühjahr und Herbst auf. Um zu verstehen, was die Schwarzkittel zu dieser Zeit vermehrt im Grünland suchen, muss man ihre Lebensweise und ihre aktuellen Lebensbedingungen betrachten.

 

Reproduktion in Rekordzeit

Regulär beginnt ab November in unseren Breiten die Paarungszeit und dauert bis Ende Januar an. Nach etwa vier Monaten Tragezeit kommen zwischen März und Mai, pro gedeckter Bache, etwa sechs Frischlinge zur Welt. Theoretisch können sich Wildschweine in freier Laufbahn das ganze Jahr über fortpflanzen. Nicht das Alter einer Bache ist für den Beginn der Geschlechtsreife verantwortlich, sondern ihr Gewicht. Da die seit Jahren immer häufiger werdenden Baummasten sowie ein voranschreitender Trend hin zu immer milderen Wintern den Wildschweinen bessere Futterbedingungen bieten, passiert es öfter, dass unter einjährige Bachen an der Balzzeit teilnehmen. Folgendermaßen gibt es in manchen Regionen mittlerweile zwei Würfe pro Jahr sowie schon ab Februar Sichtungen von Frischlingen. Verglichen mit anderen Huftieren ist bei Schwarzwild die Wurfgröße darüber hinaus sehr hoch. Durch den ansteigenden Bestand wird das Grünland für die Futterbeschaffung grundsätzlich interessanter.

 

Hunger nach proteinreichem Futter

Wildschweine gehören zu den Allesfressern. Ihre Nahrung setzt sich aus bis zu 30 Prozent tierischen und bis zu 70 Prozent pflanzlichen Bestandteilen zusammen. Dabei wird ein prozentuales Verhältnis zwischen Kohlenhydraten und Eiweiß von 60 zu 40 angestrebt.

Hauptfutterquellen sind Baumfrüchte wie Bucheckern und Eicheln sowie Wurzeln, Blätter, Triebe und Feldfrüchte. Auch wirbellose Weichtiere wie Schnecken, Würmer oder Engerlinge stellen einen wichtigen Nahrungsbestandteil dar. Sogar kleine Säugetiere wie Mäuse und ferner auch Aas werden ab und an von Schwarzwild verzehrt.

Grundsätzlich leitet eine Rotte immer die erfahrenste Leitbache an. Sie weiß aufgrund ihrer Erfahrungen um die besten Futterorte. Die ab Frühjahr säugenden Bachen haben einen besonders hohen Bedarf an speziell eiweißreicher Kost. Das Grünland bietet parallel dazu im Frühjahr und Herbst optimale Bedingungen für Würmer und Engerlinge bei Bodentemperaturen von 5 bis 14 Grad Celsius und ausreichender Feuchtigkeit. Damit ist der Oberboden des Grünlands die ideale Quelle für die Suche nach eiweißreichem Futter.

 

Die Crème de la Crème unter den Grünlandflächen

Wieso werden manche Flächen verschont, während andere jährlich von Wildschweinen umgebrochen werden? Mit ihrem ausgeprägten Rüssel besitzen Wildschweine ein ausgezeichnetes Riechvermögen. Biologisch bewirtschaftete Flächen mit ausgeprägtem Bodenleben werden daher gezielt von ihnen ausgewählt und präferiert. Grünland nahe am Waldrand wird ebenfalls stärker bevorzugt, da es den Schwarzkitteln Deckung und Rückzugsraum bietet. Allgemein sind auch Flächen nahe einer Wasserquelle oder Weideflächen beliebt, da Kuhfladen in hohem Maße Würmer und Käfer anziehen. Oft spielt aber auch die Unkrautbekämpfung eine Rolle. Wird beispielsweise Löwenzahn durch eine frühe Mahd nicht ausreichend zurückgedrängt, entwickelt sich unter den Blättern ein feuchtes Milieu, welches Regenwürmer anzieht. Gebiete, die von Spaziergängern mit freilaufenden Hunden selten passiert werden, gehören auch zu den von ihnen häufig aufgesuchten Flächen. Durch eine hohe regionale Populationsdichte kann es dagegen jedoch auch unabhängig von den genannten Faktoren, aufgrund des innerartlichen Konkurrenzdrucks, zu Schäden auf zunächst nicht primär präferierten Grünlandflächen kommen.

 

Fazit

Das Grünland ist aufgrund der eiweißliefernden Futterquellen und der immer stärker werdenden Population bei Schwarzwild so beliebt. Zwischen März bis Mai sowie Ende September bis Dezember ist es daher besonders ratsam, die gefährdeten Flächen vor Schwarzwildschäden zu schützen.

 

(Bild: pixabay, PublicDomainPictures)