Jeder Schaden an landwirtschaftlich genutzten Kulturen ist ein Erfolg für die wachsende Wildschweinpopulation in Deutschland.

 

Ein gedrungener Körperbau, ein borstiges Fell und ein ausgezeichneter Geruchssinn – Die intelligenten Wildschweine sind grundsätzlich erst einmal beeindruckende Wildtiere. Doch die Begeisterung hält meist nur so lange an, wie sie nicht in direkte Konkurrenz mit dem Menschen treten. Bei Schwarzwild hat sich diese Begeisterung bereits zu einer Gegnerschaft gewandelt. Das Wort „Bekämpfung“ gehört mittlerweile im Bezug auf sie zum Fachjargon. Die Instrumente der traditionelle Wildschadensverhütung geraten bei diesem Streit nicht selten an ihre Grenzen. Einige versuchen dabei die aktuelle Entwicklung mit Schadensausgleichzahlungen auszusitzen. Dies ist allerdings keine löbliche Variante, denn prophylaktische Mittel sind im Wildtiermanagement unerlässlicher als je zuvor geworden, um die stärker anwachsende Population in den Griff zu bekommen.

Gewöhnlich wird bei Maßnahmen zum Schutz landwirtschaftlicher Flächen zuallererst die Kostenfrage gestellt. Erst wenn ein Schadensniveau erreicht ist, welches die Ausgleichszahlungen überdurchschnittlich in die Höhe treibt, denken viele Jagdpächter und Landwirte über präventive Schritte zum Schutz der gefährdeten Flächen nach. Hierbei wird die Höhe der noch annehmbaren Kosten, insbesondere von Jagdpächtern, regional sehr unterschiedlich wahrgenommen. Häufig werden Schwarzwildschäden dadurch viel zu lange toleriert, indem sie einfach bezahlt werden.

Völlig außer Acht gelassen wird dabei, dass jeder Schaden ein Erfolg für die Fortpflanzung der Wildschweine darstellt. Eine Restriktion des Bestandswachstum kann nicht nur durch die Jagd geschehen, sondern muss auch eine Begrenzung von verfügbaren Futterquellen einschließen. Um den Trend der deutschlandweit wachsenden Bestände einzudämmen, muss den Sauen in besonderem Maße der Zugang zu leicht verfügbaren landwirtschaftlicher Acker- und Grünlandkulturen erschwert werden. Dazu gehört neben vergrämend wirkenden Maßnahmen und einer etwaigen Einzäunung ebenfalls eine Kulturplanung, die Mais- und Getreideanbau nahe von Waldgebieten eindämmt, wenn nicht gänzlich ausschließt. Wo dies nicht möglich ist, sollte über den Anbau von Alternativkulturen nachgedacht werden. Zu nennen wäre hier die trockenresistente Pflanzenart Sudangras, die von Schwarzwild gemieden wird, jedoch als Futterpflanze vielfältig genutzt werden kann. Um eine Dezimierung der überschießenden Bestände zu erreichen, müssen Landwirte und Jagdpächter einen Dialog führen, der das Verständnis und die Motivation für die Wichtigkeit schützender Maßnahmen auf beiden Seiten fördert. Dadurch können die Grundsteine für eine erfolgreiche und zielführende Zusammenarbeit gelegt werden.

 

Bild: Rolf Dietrich Brecher (CC BY-SA 2.0)